Countercast – Post-Hardcore aus Iserlohn, NRW

Bandfoto Countercast (Post-Hardcore Band from Iserlohn, NRW, Germany)

Christian – Drums
Stefan – Guitars
Christoph – Guitars
Max – Bass
Mika – Vocals

Der Gegenschlag kommt so unerwartet wie gnadenlos: dass Countercast mit hymnischer Harmonie und stolzen Gitarrenphrasen lupenreinen Heavy Metal zelebrieren, ganz so, wie es ihr Song „A New Beginning“ eingangs verspricht, stellt sich nach nur wenigen Sekunden als Irrtum heraus. Dann nämlich, wenn die fünfköpfige, Anfang 2013 gegründete Formation aus Iserlohn mit komplex donnernden Drums, brachialem Riffing und hier stoischem, dort geschrienem Gesang ihre Post-Hardcore Einflüsse hörbar macht.

Mit Countercast bezeichnete man einst einen trügerischen Plan, einen Trick. Auch die Band um Sänger und Shouter Mika Mex führt in die Irre: traditionelle Songstrukturen werden angedeutet und sogleich mit entfesselter Energie regelrecht gesprengt – wer sich in Sicherheit wähnt, weil er glaubt zu wissen, was der Fünfer will, der wird schnell eines besseren belehrt. Wer Countercast indes ohne musikalische Scheuklappen begegnet, wer es wagt, in die bisweilen düsteren Klangwelten einzutauchen, der wird mit einem furiosen Kaleidoskop unterschiedlicher Stile härterer Gangart belohnt.

Vielschichtig und ungezügelt gehen Countercast auch auf ihrem 2014 erschienenen, komplett in Eigenregie entstandenen Debütalbum zur Sache: Portrait of Mind (Porträt des Verstandes) heißt das von Gitarrist Christoph Adler überzeugend produzierte Werk, dessen zehn Songs einen faszinierenden Einblick in das abgründige Wesen der Formation geben. „Remorse“ etwa ist ein sich behutsam aufbäumender Gigant aus warm schimmernden Harmonien, bissigen Vocals, wuchtigem Riffing und vertrackten Schlagzeugsounds. Hochgeschwind und rasiermesserscharf kommt „The Rupture“ daher, ein bitterböser Abgesang auf Ignoranz und Gier: beides Eigenschaften, die – so will es die rasante Hardcore-Weise – schließlich die Menschheit in die Katastrophe führen.

Ihren mal persönlichen, mal gesellschaftskritischen Texten verpassen Countercast ein dynamisch perfekt austariertes Soundgewand, angereichert mit gewaltigen, bisweilen verschachtelten Grooves, die mehr auf das Unbewusste einzuwirken scheinen, als auf den Bewegungsapparat. Trotzdem liefert das Quintett genug Futter für den Moshpit, versorgt alle headbang-affinen Metaller mit Breakdowns, alle Hardcore-Jünger mit stürmischer, zum Slamdance auffordernder Klanggewalt – und führt so Fans unterschiedlicher Musikrichtungen zusammen.

Das zweite Konzeptalbum “Calamity” schlägt, durch die Thematisierung einer postapokalyptischen Gesellschaft, einen eher ernsten Tonfall an. Zeitgleich ist es aber auch Zeugnis dafür, dass sich die Jungs in dem selbstgeschneiderten Gewandt aus definierten Melodien und dem musikalischen Äquivalent einer Dachlatte im Gesicht immer wohler fühlen und mit ihrer Entwicklung noch nicht am Ende sind. Während sich die Augen an dem Artwork von Jonny Lindner weiden, bekommt das Gehirn Treibstoff und die Ohren würden sich im Nachhinein eine anstecken und ein Bier öffnen wenn sie Arme hätten.

Auch Live konnte sich die Band in den letzten Jahren auf zahlreichen Konzerten in NRW beweisen und zu einem Garant für energiegeladene Abende mausern. Countercast sind auf der Bühne zuhause und pusten mit einer Soundwand fast biblischen Ausmaßes jedem Zweifler den Talg aus den Gelenken. Im Oktober 2015 rief die Formation in Eigenregie die Konzertreihe “Moshroom” ins Leben, bei der gemeinsam mit wechselnden befreundeten und genreverwandten Bands die Bühnenbretter gefoltert werden.

Wer zeitgemäßen Post-Hardcore mit einer guten Portion Heavy Metal zu schätzen weiß, wem Metalcore oft zu pragmatisch und Melodic Hardcore zu uninspiriert ist, der ist bei Countercast an der richtigen Adresse.

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